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Dienstag, 12. März 2019

Zum 110ten Todestag: Das Nachwirken von Ferdinand Lepcke am Kurzbeispiel der Kleinplastik „Wiedersehen“ – Gestern museale Kunst und heute Pop

Noch im Januar 1909 veranlasste der Berliner Bildhauer Ferdinand Lepcke (23. März 1866 – 12. März 1909) eine Schenkung ausgewählter Werke an seine Geburtsstadt Coburg. Er hatte der Stadt bereits in den Jahren zuvor verschiedene Arbeiten in Gips und Bronze zur Aufstellung im damaligen Rathaussaal übergeben. Nur in Gips damals in Coburg vorhandene Werke sollten nach Bestreben des Künstlers möglichst finanziert und in Bronze gegossen werden. Hierzu konnte es jedoch nicht mehr kommen.

Am 12. März 1909 – wenige Tage vor seinem 43. Geburtstag – verschied Lepcke an einer Lungenentzündung in Berlin. Einer Überlieferung nach ließ sich der Künstler noch erkrankt in seinem Atelier betten. Wenig später verstarb er. Hoffte er so auf raschere Genesung, oder wollte er Abschied nehmen von seinen Schöpfungen und Ideen?

Auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1909 zeigte man in Gedenken an den verstorbenen Bildhauer 28 seiner Werke. Darunter vertreten waren Gipse und Bronzen, eine Holzskulptur sowie die in carrarischem Marmor ausgeführte Idealplastik „Wiedersehen“. Das Motiv wurde in bedeutende Sammlungen aufgenommen, es befindet sich zum Beispiel als Bronzeguss in der Alten Nationalgalerie Berlin (Ankauf 1904), in den Kunstsammlungen der Veste und den Städtischen Sammlungen Coburg oder in der Eremitage in St. Petersburg. Das letztere Haus bietet sogar relativ hochpreisige Nachgüsse unter dem Titel „The Kiss“ im Museumsshop an.

Die Kleinplastik „Wiedersehen“ sollte neben den als Kleinplastiken erprobten und später lebensgroß ausgeführten Figuren der „Bogenspannerin“ (1905/06) und der „Phryne“ (1907/08) eine der bekanntesten und beliebtesten Arbeiten Lepckes werden. Mindestens zwei etablierte deutsche Gießereien nahmen das „Wiedersehen“ bereits zu Lebzeiten des Bildners oder kurz danach in ihr ständiges Angebot von Salon- oder Schreibtischbronzen auf.

Wiedersehen, Bronzeguss, 31 cm mit Sockel, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Inv.-Nr. Pl.154. Kunstsammlungen der Veste Coburg https://www.kunstsammlungen-coburg.de

Ab 1917 wurde das Motiv auch in der Kunstgießerei Lauchhammer in unterschiedlichen Dimensionen in Eisen und Bronze gegossen. Ferdinand Lepckes Bruder Oskar (1864–1930) achtete und schätzte die Kunst von Ferdinand sehr – zudem war er ein findiger Kaufmann. Oskar Lepcke sorgte lebenslang und mit besten Kräften dafür, dass Teile des Schaffens seines Bruders dauerhaft für den Kunsthandel verfügbar blieben, indem er der Kunstgießerei Lauchhammer Lizenzen zur Vervielfältigung von Gipsen in Bronze und Eisen verkaufte.

Zwischen 1917 und 1948 lieferte die Lausitzer Gießerei das „Wiedersehen“ unter anderem nach Bukarest, Rotterdam, Stockholm, Berlin, Duisburg, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart, Halle/Saale und Riesa. Eine nicht geringe Anzahl an Güssen der Figurengruppe wurde auch von einzelnen Mitgliedern der Sowjetischen Militäradministration angekauft. Der erste Verkauf nach dem Zweiten Weltkrieg an Privat ist für das Jahr 1947 belegt.

Das „Wiedersehen“ wurde bis 1989 im Katalog der dem VEB Schwermaschinenbau Lauchhammer zugehörigen Gießerei angeboten. Auch in den letzten Jahren wirbt die aktuelle Kunstgießerei Lauchhammer mit dem Bildwerk und bietet Bronzenachgusse an.

Inwiefern Lepckes Schaffen posthum in den 1930er und 1940er Jahren eventuell politische Instrumentalisierung oder Zäsur erfahren haben könnte, ist bislang kaum erforscht. Am Rande bemerkenswert erscheint aber, dass Alfred Rosenberg (1893–1946) als einer der wichtigsten Ideologen der NS-Propaganda eine Arbeit Lepckes in einer Bildfolge mit dem Titel „Deutsche Frauenplastiken der Gegenwart“ in den Nationalsozialistischen Monatsheften der NSDAP vom Januar 1938 veröffentlichen ließ – 29 Jahre nach Lepckes Ableben. Außerdem waren hier Werke von Wilhelm Petersen (1900–1987), Hans Schwegerle (1882–1950), Arno Breker (1900–1991), Oswald Hofmann (1890–?), Ernst Freese (1865–?), Christiane Gerstel-Naubereit (1901–2001) und von Lepckes Studienfreund Fritz Klimsch (1870–1960) abgedruckt.

Erfolgsmitbestimmend für den kommerziellen Absatz einer Plastik auf dem Kunstmarkt konnte der Ankauf der Alten Nationalgalerie aus den Großen Berliner Kunstausstellungen sein, so mit Lepckes „Wiedersehen“ 1904 geschehen. Mit Unterbrechung durch die Weltkriege waren der Bronze- und nachrangig der Eisenguss prominenter Plastiken für die Ausstattung repräsentativer oder privater Orte und Räumlichkeiten von Interesse.

Abgesehen vom Kunsthandel mit Eisen- und Bronzegüssen sowie mit Alabastervarietäten bediente die Alexander Backer & Co. Inc. aus New York etwa ab den 1950er und 1960er Jahren auch Kunden mit kleinem Geldbeutel. Backer warf Gipskopien von bekannten Büsten und Kleinplastiken auf den Markt, darunter Lepckes „Wiedersehen“, die ohne Mühe auch heute noch zu erwerben sind.

Die serielle und letztlich sehr wahrscheinlich massenhafte Produktion von billig herzustellenden Gipskopien des Motivs durch die Alexander Backer & Co. Inc. eröffnete dem ohnehin aufgrund seiner Emotionalität recht gängigem Motiv eine weitere Popularisierung in breiteren Bevölkerungsschichten. So setzte das „Wiedersehen“ seinen Erfolgskurs vom Museum über das Bürgertum des beginnenden 20. Jahrhunderts hin zum Dekorationsobjekt für gewissermaßen „Jedermann“ weiter fort.

Auch zeitaktuell erfreut sich das Motiv ungebrochener Beliebtheit:
„Auf einer Reise im Jahr 2017, die unter anderem auch nach Stockholm führte, besuchte ich verschiedene Kunstsammlungen. Bei einem Spaziergang durch Gamla stan wurde ich auf eine Kopie von Lepckes „Wiedersehen“ im Schaufenster eines Souvenirladens aufmerksam. Der Verkäufer berichtete, dass es sich um Kopien aus Asien handele. Diese bestanden aus mit Metallpulver versetztem Kunststoff, um so mehr schlecht als recht den Eindruck eines edlen Kunstgusses zu suggerieren. Abgesehen von der schlechten Ausführung der Kopie und dem fehlenden Hinweis auf den Künstler freute mich eines ganz besonders: Der Verkäufer gab weiter zu verstehen, dass jungverliebte Paare auf Reisen das Motiv recht häufig erwerben würden.“ (Nicky Heise, März 2019)

©Nicky Heise, Berlin 11.03.2019


Veranstaltungshinweis:

18.03.2019, 19:00 Uhr
„Der Bildhauer Ferdinand Lepcke: Was ist von seinem Wirken und seinen Werken geblieben?“
Vortrag von Dr. Rudolf Mach

Heimat- und Kulturverein Kleinmachnow e.V.
Hohe Kiefer 41
14532 Kleinmachnow
http://www.kleinmachnow.de/staticsite/staticsite2.php?menuid=264&topmenu=264


Literatur:
Nicky Heise: Ein Kuss zum Frühlingserwachen. In: Westerwälder-Landleben-Magazin, Ausgabe 10, März 2018, Edition Blattwelt Niederhofen, S. 26–28. (Aufsatz zu Ferdinand Lepckes Kleinfigur „Wiedersehen“)

Nicky Heise: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Ein Berliner Bildhauer um 1900. In: Das Teltower Land. Heimat-Magazin 2015/16. Verlag     Buchkontor Teltow 2016, S. 149–164. ISBN 978-3-9815865-4-1

Ferdinand Lepcke. Allgemeines Künstlerlexikon (AKL) – Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 84, S. 160, De Gruyter, München 2014. ISBN 978-3-11-023189-2

Nicky Heise, Susanne Kähler, Inga Kopciewicz, Stefan Pastuszewski, Marek Romaniuk, Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke 1866–1909. Anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum Bydgoszcz, Dezember 2014 bis März 2015, Bydgoszcz 2014. ISBN 978-83-63572-92-1

Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monografie und Werkverzeichnis. Sonderdruck aus dem Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 2012, Coburg 2012/13, 252 Seiten, 100 Farbabbildungen. Anlässlich der Sonderausstellung „Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Weiblicher Akt und Körperideal“, vom 16. Dezember 2012 bis zum 14. April 2013 in der steinernen Kemenate der Kunstsammlungen der Veste Coburg und vom 18. Mai bis zum 18. August 2013 im Kunstgussmuseum Lauchhammer. ISBN 978-3-87472-092-2


Quellen:
Ferdinand Lepckes „Wiedersehen“, Bronze, Museumsshop Eremitage in St. Petersburg: https://www.hermitageshop.org/sculpture/bronze/001049.html.

Ferdinand Lepckes „Wiedersehen“, Bronze, Kunstgießerei Lauchhammer:
https://www.kunstguss.de/shop/skulpturen/bronzeskulpturen/skulptur-wiedersehen-bronze-ferdinand-lepcke

Ferdinand Lepckes „Wiedersehen“, Gipskopie, Alexander Backer & Co. Inc.: https://www.etsy.com/de/listing/633132086/alexander-backer-liebevoll-umarmen-nude?ga_order=most_relevant&ga_search_type=all&ga_view_type=gallery&ga_search_query=Alexander+Backer&ref=sr_gallery-1-15&organic_search_click=1&frs=1

Freitag, 11. November 2016

Eva…! Nicht Eva mit der Schlange? Nein. Ein bislang unbekanntes Motiv von Ferdinand Lepcke wurde im Jahr 2016 wiederentdeckt.

Ein grundlegendes Charakteristikum der Kunstwissenschaften ist die anhaltende sowie kritische Überprüfung, gegebenen Falles auch Richtigstellung und Ergänzung von summarisch gefassten Erkenntnissen zu gewissen kunsthistorischen Themengebieten. Auch ein Werkverzeichnis bedarf dieser aufmerksamen Überarbeitung und damit nachhaltigen Pflege.

Vor diesem Hintergrund bitte ich geneigte Kennerinnen und Kenner um Mithilfe bei der Suche nach weiterführenden Informationen wie zum Beispiel eine Meldung über den etwaigen Besitz einer Fassung der „neuen“ Eva-Figur. Benötigt werden überdies Dokumente und andere Archivalien zu der im Folgenden abgebildeten bildhauerischen Arbeit. Wer erkennt die Plastik wieder und kann Hinweise zum Verbleib der Darstellung machen?


Kunstpostkarte, nicht gelaufen: Prof. Ferd. Lepcke, Eva, Entstehungszeit der Figur bislang unbekannt, Gips (?). Rückseitig beschriftet: Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft AG, Berlin-Steglitz. „Skulpturen Erster Meister. Nr. 492.“ Privatbesitz Nicky Heise, Berlin.

In der Dokumentation und Forschung zum Leben und Schaffen des Bildhauers wurde bisher nur das Motiv „Eva mit der Schlange“ (1890, Gips und Bronze, siehe WVZ Lepcke: Kat.-Nr. 10–10c, S. 109–114) hinlänglich besprochen.[1] Dass Lepcke ein gänzlich anderes Werk mit dem Titel „Eva“ schuf, stellt eine interessante und zugleich zu untersuchende Neuigkeit für die Lepcke-Forschung dar.[2]

Im direkten Vergleich scheint Lepckes „Eva ohne Schlange“ in gesteigertem Maße von der zeitgenössischen Vorstellung einer griechisch-römisch-antikischen Auffassung von Plastik in der Deutschen Kunst um 1900 her beeinflusst und inspiriert zu sein; wesentlich eindringlicher jedenfalls als noch seine doch zu Teilen einer christlichen Erzähl- und Verhaltensweise folgenden „Eva mit der Schlange“. Augenfällig sind bei der „Eva ohne Schlange“ die natürliche Portraithaftigkeit ihres Antlitzes und die stärkere Bewegtheit in der Gesamtkomposition der Figur. Wir haben es wohl mit einer antikisch-idealisierten „Eva“ aus Lepckes Lebzeiten, vielleicht vor dem Hintergrund der Lebensreformbewegung um 1900 zu betrachtenden Arbeit, zu tun.

Während seine „Eva mit der Schlange“ sich körperlich noch jungmädchenhaft-schüchtern oder gar recht tugendhaft verschließt, wirkt die hier vorliegende „Eva“ eher aktiv und aufgeschlossen – lediglich ihre rechte Achselhöhle wird von ihrer rechten Hand wohl verdeckt. Leicht vorgebeugt scheint sie dabei ihre Aufmerksamkeit dem möglichen Betrachter schenken zu wollen. Ganz ähnlich, bis auf die leicht erhöhte Haltung ihres linken Beines durch Aufsetzen des Fußes auf die rechteckige Standplatte, fällt die Bildung der Unterkörper beider Figuren aus.

Fast könnte man meinen, dass uns der Bildhauer je eine christlich-antikische, soll heißen moralisierte, und eine griechisch-antikisierte, geradezu schuldlos-nackte, Darbietung des Sujets einer Eva eben in verschiedenen Versionen geben wollte.

Die Tatsache, dass Lepckes „zweite“ Eva in Gips an einen eckigen Sockel gelehnt und mit ihrer linken Hand auf ein Gefäß gestützt dargestellt ist, lässt die vorsichtige Vermutung zu, dass der Bildhauer vielleicht beabsichtigte, das Motiv in edlem Stein auszuführen. Denn ein angestrebter Bronzeguss käme sicherlich auch ohne dieses in erster Linie stützende Zierelement als Zutat aus.

Zur gründlichen Erforschung werden Hinweise freundlich erbeten und können gern vertraulich unter nicky.heise@gmx.de an den Autor weitergegeben werden.

[1] Anm.: 1901 – etwas über eine Dekade nach der Entstehung der Figur –  stellte Lepcke seine „Eva mit der Schlange“ im Künstlerhaus Berlin aus. Unter den ausstellenden Bildhauern waren auch Werke von Gustav Eberlein, Max Klein, Rudolf Siemering und Hermann Hausmann zu finden. Im am 15. Oktober 1898 eingeweihten Künstlerhaus Berlin in der Bellevuestraße 3 versammelten sich regelmäßig die Mitglieder vom „Verein Berliner Künstler“. Ein Flügel dieses Vereines war die sogenannte Bildhauervereinigung. Zu Beginn des Jahres 1901 empfahl die Bildhauervereinigung geneigten Personen und Instanzen sich bei der Wahl und Ausführung von plastischen und skulpturalen Bildwerken von der Vereinigung eingehend beraten zu lassen. Die Bildhauervereinigung sah es als eine ihrer Aufgaben an, als Vermittler zwischen Auftraggeber und Künstler zu agieren. Mögliche Interessenten sollten sich mit ihrem Anliegen an die Leitung der Bildhauervereinigung wenden und würden sodann Ratschläge zur Auswahl von geeigneten Bildhauern mit Entwürfen und deren Durchführung erhalten. Diese fachliche Beratung sollte ferner zur Vermeidung der „Wiederholung von Kunstwerken und [von] fabrikmäßigen Abgüssen“ beitragen. Vgl.: Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. Bd.16,1900–1901, Heft 8, 15. Januar 1901, S. 194. Siehe auch: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1900_1901/0206. Vgl.: Berliner Architekturwelt. Ausgabe 2, 1900, Heft 4, S. 149–150.Siehe auch: http://digital.zlb.de/viewer/image/14192916_1900_4/35/#topDocAnchor.

[2] Anm.: Mein ganz besonderer und wiederholter Dank geht an Prof. Rolf Grimm (Gustav-Eberlein-Forschung e.V.) für seinen höchst erfreulichen Hinweis zur Existenz der Kunstpostkarte aus dem Verlag der NPG mit dem Motiv der „Eva“ von Ferdinand Lepcke.


Mittwoch, 5. Oktober 2016

Neuerscheinung: Heimat-Magazin 2015/16. Das Teltower Land – Kleinmachnow, Kleinglienicke, Nuthetal, Stahnsdorf, Steglitz, Teltow und Zehlendorf


Liebe Leserinnen, liebe Leser,
nahezu „druckfrisch“ ist das von Manfred Pieske (Stahnsdorf) und Frank-Jürgen Seider (Teltow) herausgegebene Heimat-Magazin „Das Teltower Land“ erschienen. Neben einer Vielzahl von interessanten Artikeln können Sie außerdem einen von Nicky Heise verfassten Beitrag mit dem Titel „Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Ein Berliner Bildhauer um 1900“ studieren (S. 149–164). Der Artikel bietet einen straffen Überblick zum Leben und Schaffen des Berliner Bildners und seiner Werke im öffentlichen Raum.

Autoren:
Jürgen Böhm
Wolfgang Dahms
Dr. Josef Drabek
Günter Duwe
Peter Ernst
Dr. Phil. Gebhard Falk
Freiherr Karl v. Fircks
Nicky Heise
Wolfgang Holtz
Viktoria Jerzembek
Gertrud Knuth
Harald Kretzschmar
Rainer Lange-Christen
Ulrich Muhs
Wilhelm Reichner
Gerhard Petzholtz
Manfred Pieske
Holger Schenk
Frank-Jürgen Seider
Guido Zenkert
Hansjörg Zureck      
 
ISBN 978-3-9815865-4-1

Die Publikation ist ab sofort bestellbar bei:
Verlag Buchkontor Teltow
Breite Straße 19
14513 Teltow
Telefon 03328 3381571
ISBN 978-3-9815865-4-1

http://www.bb-buch.de/product_info.php?info=p1319157_Das-Teltower-Land--Heimatmagazin-2015---2016.html 

Öffentliche Reaktionen:
http://www.teltow.de/aktuelles/news/heimat-magazin-das-teltower-land-erschienen.html

http://www.baeke-courier.de/images/stories/pdfs/BC_12_2016_mit_Links.pdf (S. 8)

Dienstag, 20. Januar 2015

VON DER NATUR ZUR ABBILDUNG, VON DER ABBILDUNG ZUM BILDWERK UND VOM BILDWERK IN ABBILDUNG.

Ein Exkurs zur Photographie als eines der Arbeitswerkzeuge und Mittel der Dokumentation in der Bildhauerei um 1900.

Teil 3 von 3

Vom Bildwerk in Abbildung
So ist zum Beispiel die Mitgliedschaft des Bildhauers Ferdinand Lepcke (1866–1909) in der „Freien Photographischen Vereinigung von Berlin“ ab 1897 zu verzeichnen. Die Mehrzahl der Mitglieder der Vereinigung kam aus allen möglichen Berufsgruppen und verstand sich in erster Linie als Amateurphotographen, aber die Vereinsleitung bevorzugte zunehmend den Zweig der künstlerischen Photographie. Um Letzteres verstärkt zu erreichen, wurden nationale und internationale Ausstellungen organisiert sowie Bildungsreisen und entsprechende Wettbewerbe durchgeführt.[1]

Photographien mit künstlerischem Charakter können der Hand Ferdinand Lepckes aktuell nicht zugewiesen und damit nicht näher untersucht werden. Allerdings befinden sich in der Library of Congress, Washington D.C., Music-Division, Arnold-Schönberg-Collection (Abb. 18), in den Kunstsammlungen der Veste Coburg (Abb. 13, 15, 19, 21 u. 22) und in unterschiedlichem Privatbesitz (Abb. 12 u. 20) photographische Abbildungen zum Schaffen und zur Familie (Abb. 13) des Bildhauers.

Abb. 12 – Photograph nicht bekannt, Originalaufnahme um 1905/06: Professor Ferdinand Lepcke im Berliner Atelier. Links im Bild befindet sich ein bislang unbekannter Gips in Arbeit. Privatbesitz von Dietmar Leischner, Ottobrunn.
Abb. 13 – Photograph nicht bekannt, Originalaufnahme um 1908: Die Brüder Ferdinand und Oscar Lepcke (1864–1934) bei einem Relief für das Stubenrauchdenkmal in Teltow. Inv.-Nr.: F.3748, Kunstsammlungen der Veste Coburg. http://www.kunstsammlungen-coburg.de/

Hierbei handelt es sich um Photographien der Ateliersituation und um Photographien mit dem Bildhauer bei einzelnen vollendeten sowie unvollendeten Werken.[2] Diese Abbildungen sollten repräsentativ und informativ zugleich sein, zudem erfüllten sie zum Teil dokumentarische Zwecke. Ferdinand Lepcke dienten Photographien, auch wenn diese nicht eindeutig der künstlerischen Photographie, der reinen Bildnisphotographie oder einer bestimmten bildnerischen Arbeitsweise zuzuschreiben sind, zur Steigerung seiner Bekanntheit.[3]

Abb. 14 – Originalaufnahme von Ed. Frankl (18??–1927), Berlin, Veröffentlichung 1907: Professor Ferdinand Lepcke „[…] schuf eine Anzahl von Werken der Idealplastik und der Monumentalskulptur, ausserdem künstlerisch individuell aufgefasste und doch naturgetreue Portraitbüsten.“[4] hieß es 1907 in dem Blatt „Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit & Kunst“.

Angesichts der um 1900 international fortschreitenden Weiterentwicklung von photographischen Selbstauslösern darf die vorsichtige Vermutung angestellt werden, dass Ferdinand Lepcke Photographien mit sich und anderen Personen bei seinen Werken auch selbst erstellte (Abb. 13). Im Vorlauf zu seiner Mitgliedschaft in der „Freien Photographischen Vereinigung zu Berlin“ 1897 dürfte die Portraitbüste des Geheimen Medizinalrats Prof. Dr. Heinrich Fritsch (1844–1915), im selben Jahr vorgestellt auf der Großen Berliner Kunstausstellung, entstanden sein.[5] Der Dargestellte war 1897 erster Vorsitzender der „Freien Photographischen Vereinigung“.

Abb. 15 – Photograph nicht bekannt, Originalaufnahme um 1908: Professor Ferdinand Lepcke mit seinen im Hintergrund erkennbaren Idealplastiken „Hero“ und „Phryne“. Inv.-Nr.: F.3747b, Kunstsammlungen der Veste Coburg. http://www.kunstsammlungen-coburg.de/

Ferdinand Lepcke wurde neben seinen auftragsfreien Ideal-, Klein-, Monumental- und Grabmalplastiken für seine bei Fritz Schaper (1841–1919)[6] von 1888 bis 1890 als Meisterschüler vertieften Fähigkeiten der naturbezogenen Portraitgenauigkeit im Bereich der Bildnis- beziehungsweise Portraitbüste bekannt.[7] Ohne vertiefte Vergleiche zum Zustand der Bildnismalerei um 1900, wie dieser zum Beispiel von Alfred Lichtwark beschrieben wurde, ziehen zu wollen, ist sicherlich anzumerken, dass die naturgetreue Bildnisbüste ein gewisses Comeback auf den Großen Berliner Kunstausstellungen vermelden konnte. Sehr vermutlich vor dem Hintergrund dessen, wie sehr bereits einzelne bürgerliche Schichten das Bildnisgemälde ablehnten, gewannen daneben Bildnisphotographien aller sich entwickelnden Genres und Formate selbst und gerade für breite Schichten der Gesellschaft an Zuspruch und wurden zunehmend erschwinglich für die Massen. Zum Ende der 1890er Jahre zierte die Petersburger Hängung von Photographien die Wände unzähliger Wohnungen in Berlin. Und so fand sich das Bildnisgemälde, von der Photographie zunehmend verdrängt, in dunklen Fluren wieder.[8] Dieser Entwicklung diametral gegenüber stand das ausgewählte Bedürfnis nach dem kunstvollen Portraitbildwerk im besonders finanzkräftigen Bürgertum des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Der Bildhauer Ferdinand Lepcke suchte in dieser Zeit zwischen akademischer Könnerschaft und sezessionistischer Experimentierfreude nach neuer Orientierung. Zum Ende des Jahres 1897 beteiligte er sich mit seinem Künstlerfreund Fritz Klimsch (1870–1960) und seinem Kollegen August Gaul (1869–1921) sowie hier ungenannten Malern an der Gruppenausstellung der „Vereinigung 1897“ im Salon-Schulte. Die Vereinigung existierte nicht für sehr lange Zeit, kann aber als Teil der Berliner Sezession angesehen werden. Ferdinand Lepckes erkennbares Interesse an der Photographie, seine zurückhaltende und dennoch vorhandene Nähe zu sezessionistischen Strömungen, seine ungebrochene Verbundenheit zur Akademie, seine Tätigkeiten als Mitglied im Verein Berliner Künstler für die Großen Berliner Kunstausstellungen oder seine Mitgliedschaft in einem Berliner Kegelverein mit bereits prominenten Künstlern, all dies zusammengerechnet, bildet einen bestimmten Künstler- beziehungsweise Bildhauertypus der Zeit um 1900 ab.[9]

Nach der eingangs erwähnten Internationalen Ausstellung für Photographie im Jahre 1893 in der Hamburger Kunsthalle bemerkte Alfred Lichtwark einen deutlichen Anstieg des Interesses von Bildverlagen an kunstvollen Photographien. Aufnahmen mit künstlerischem Inhalt oder Charakter sollten von da an noch verstärkter den Holzstich in Periodika, Illustrierten, Ausstellungskatalogen (Große Berliner Kunstausstellung) und weiteren Fachpublikationen ersetzen.

Ein recht gutes Beispiel für diese Entwicklung liegt mit dem ab 1898 erschienenen Monatsblatt „Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst“ vor. Die Redaktion richtete ihren Fokus auf das Berliner Gesellschaftsleben: „Alles, was es Schönes, Anregendes, Eigenartiges und Bedeutendes bietet, sei es in Hof und Gesellschaft, Wissenschaft, Kunst und Litteratur (sic!), dies Alles und noch viel mehr […]“ sollte als „[…] bildreiche Culturgeschichte des fin de siècle […]“ zur bildenden Unterhaltung und unterhaltsamen Bildung der Leser beitragen.[10] Unter der Rubrik „Unsere Bilder“ waren in fast allen Ausgaben Photographien von Bildhauer- oder Malerateliers abgedruckt.[11] Hinzu kamen photographische Abbildungen von besonderen Bildwerken oder Gemälden mit Zeit- beziehungsweise Ereignisbezug. Offenbar vergab die Bildredaktion des Verlages eigens Aufträge für sogenannte „Spezial-Aufnahmen“ an Berliner Photographenateliers, denn bei den Abbildungen fand der jeweils ausführende Photograph seine namentliche Nennung.[12] Unter den etablierten und beteiligten Photographen lassen sich, um nur einige zu nennen, Namen wie Zander und Labisch (Neue Photographische Gesellschaft A.G.), Max Missmann (1874–1945), Waldemar Titzenthaler (1869–1937) oder Friedrich Albert Schwartz (1836–1906) wiederfinden.[13] Die das Atelier von Ferdinand Lepcke ablichtende Aufnahme (Abb. 14) stammt von Ed. Frankl. Der Photograph fertigte diverse Künstleratelier-Aufnahmen für das „Berliner Leben“ an.[14] Die vorliegende Abbildung zeigt den Bildhauer in künstler- beziehungsweise zeittypischer Pose bei seinen Arbeiten, direkt neben ihm befindet sich je ein Gips und eine Bronzefassung seines expressiven Jugendstilwerks die „Tänzerin“ (Bronzeguss 1905, Kunstsammlungen der Veste Coburg). Ed. Frankl besuchte den Bildhauer im Namen seines Auftraggebers im Atelier. Dies kann als eine Art Bildberichterstattung angesehen werden, da der Photograph die Bereiche der Ereignis- und Bildnisphotographie mit der Abbildung von repräsentativen Kunstwerken verbinden sollte. Der Charakter der reinen Bildnisphotographie wurde von den Berufsphotographen um die Atmosphäre im Atelier erweitert. Durch ihre dokumentarische Wesenheit ermöglichen diese Abbildungen außerdem die vorläufige Erfassung bislang unbekannter Bildwerke[15] und dienen als Zeugnis der jeweiligen Ateliergröße und Ausstattung.

Ein anderer, für Berufsphotographen und Bildverlage einträglicher Bereich tat sich mit der massenhaften Herstellung von Kunstpostkarten auf. Die 1894 gegründete „Neue Photographische Gesellschaft“ begünstigte den Verkauf von zeitgenössischen Kleinplastiken, freien Bildwerken, Portrait- und Grabmalplastiken sowie von dokumentarisch-architektonischen Photographien mit künstlerischem Inhalt durch die Herstellung und den Vertrieb von Post- oder Ansichtskarten. Nach 1900 florierte das Geschäft mit der Kunstpostkarte in Millionenauflage.[16] Die Versendung von Ansichtskarten per Post konnte den Bekanntheitsgrad eines Künstlers und seiner Werke überregional bis international steigern – außerdem landeten nicht wenige Karten, ob ihrer Handlichkeit im Format, gleich in Alben von Sammlern[17] und Spezialisten.[18]

Abb. 16 – Ansichtskarte, nicht gelaufen, Photograph nicht bekannt, Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft A.G. Steglitz-Berlin, recto: Professor Ferdinand Lepcke, Böses Gewissen. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1898 wurden Ferdinand Lepckes ausdrucksvolle Plastik und Franz von Stucks (1863–1928) Gemälde „Das böse Gewissen“ zeitgleich in verschiedenen Räumlichkeiten präsentiert. Franz von Stuck schuf sein Gemälde bereits 1896 und übermalte es später mehrfach. Sehr wahrscheinlich fühlte sich Ferdinand Lepcke vom Wirken seines Künstlerfreundes inspiriert und schuf die hier abgebildete Plastik. In seiner formalen Umsetzung folgt das Bildwerk (Bronzeguss, Kunstsammlungen der Veste Coburg) dem Stilwollen des Franzosen Auguste Rodin (1840–1917). Privatbesitz von Nicky Heise, Berlin.
Abb. 17 – Ansichtskarte, nicht gelaufen, Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft A.G. Steglitz-Berlin, verso: Große Berliner Kunstaustellung 1909, Nr. 551. Anlässlich des Todes von Ferdinand Lepcke zeigte man auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1909 einen breiten Ausschnitt seines Lebenswerkes. Privatbesitz von Nicky Heise, Berlin.

Aus der Familie des Bildhauers Ferdinand Lepcke wählte beispielsweise dessen Bruder Oscar Lepcke eine von der „Neuen Photographischen Gesellschaft“ (NPG) hergestellte Ansichtskartenserie mit den Kunstwerken Ferdinands zum Postverkehr mit einer ihm lieben Angehörigen.[19] Die NPG-Postkarten waren rückseitig mit der Kennzeichnung „Skulpturen erster Meister“ und laufender Seriennummer oder aber mit dem Titel und dem Jahr der Ausstellung (plus Seriennummer), auf der das Bildwerk zu betrachten war (Abb. 17), bedruckt.[20] Die benannten Kunstpostkarten konnten demnach einen unschätzbaren Werbewert für das Schaffen eines Künstlers darstellen. Recht deutlich wird dies an den Vermarktungsbemühungen Oscar Lepckes nach dem frühen und unerwarteten Tod seines Bruders Ferdinand im März 1909. Ab 1912 wiesen beispielsweise Karten mit der Markenbezeichnung NBC (Neue Bromsilber Convention GmbH)[21] die rückseitige Bezeichnung „In Bronze erhältlich durch Lepcke, Berlin=Zehlendorf=Mitte, Dietloffstr.“ auf.[22] Augenscheinlich betreute der Kaufmann Oscar Lepcke den weiteren Absatz der Plastiken seines Bruders durchaus sorgfältig und nutzte das Haus in der damaligen Dietloffstraße als Vertriebsort. Entgegen anders lautender Stimmen bezog Ferdinand Lepcke das heute nicht mehr existierende Atelier- und Wohnhaus auf dem Areal der heutigen Gradnauerstraße 1 in Klein-Machnow nicht persönlich, da er noch vor Abschluss der endgültigen Bauabnahme der Villa mit weitläufigem Garten an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb. Forschungen belegen, dass Oscar Lepcke Teile der Villa für familiäre Belange nutzte[23] und ab Ende September 1911 bis 1913 an Arnold Schönberg (1874–1951) mit Familie vermietete.[24] Arnold Schönberg schuf hier seine kleinen Klavierstücke und formulierte eines seiner theoretischen Hauptwerke aus.[25] Versehentlich beschädigte der Musiker in dieser Zeit einen der sich im Hause befindlichen Gipse des verstorbenen Bildhauers Ferdinand Lepcke und stand deshalb wegen den Kosten einer Reparatur mit seinem Vermieter in Korrespondenz. Eine von Arnold Schönberg an Oscar Lepcke gerichtete Ansichtskarte, auf der die Villa Lepcke mit Skulpturenschmuck zu sehen ist (Abb. 18), belegt diesen Vorgang.[26] Die Existenz dieser und nachfolgender Postkarten (Abb. 19 u. 20) erlaubt den zurückhaltenden Gedankenschluss, dass derartige Ansichtskarten auf Anregung der Familie Lepcke hergestellt und im Umfeld von Verwandten, Freunden und Bekannten benutzt wurden; aber auch zur offensiven Werbung für das Kunstschaffen von Ferdinand Lepcke ihre direkte Anwendung fanden.

Um 1905 betonte Alfred Lichtwark die Bedeutung der Photographie für die Architektur und den Gartenbau. Vor diesem Hintergrund gilt es, die folgenden Ansichtskarten genauer zu betrachten. Sie bieten Aufschluss über das Äußere der Villa Lepcke, im Speziellen über die Skulpturenaufstellung als Fassadenschmuck, ihren Wandel und die Anwendung von Retusche bei der Herstellung von Postkarten. Zunächst ist vorrauszuschicken, dass sich die Bauausführung der Villa in ihrer späteren Schlichtheit wohl in einigen Details von einem 2004 publizierten Fassadenaufriss unterschieden haben muss. Abgesehen vom projektierten, wesentlich bildreicherem Reliefschmuck (vermutlich Zentauren auf der Jagd) und von weiteren Zierelementen war per Zeichnung die Aufstellung von Ferdinand Lepckes „Bogenspannerin“ (1905/06) sowie einer nicht bekannten „Fechterin“ für den repräsentativen Ateliereingang der Villa angedacht.[27] Zur Aufstellung kamen dagegen erst einmal die „Phryne“ (1907/08), die „Bogenspannerin“ und eine, hoch oben zwischen Tür und Fenster des seitlichen Vorbaus angebrachte, bislang unbekannte Bildnisbüste (Abb. 18).[28]

Abb. 18 – Ansichtskarte gelaufen, 11. November 1913,[29] Photograph nicht bekannt, recto: Villa Lepcke (um 1910/11?). The Library of Congress, Washington D.C., Music-Division, Arnold-Schoenberg-Collection. Mit freundlicher Unterstützung vom Arnold-Schoenberg-Center, Wien/Eike Fess, 28. März 2014.

Ein hier nicht abgebildeter Schnappschuss, ebenfalls in der Library of Congress, Washington D.C., Music-Division, Arnold-Schoenberg-Collection erhalten geblieben, zeigt Arnold Schönberg, wie dieser auf den Ateliereingang der Villa zugeht. An der Stelle, an der Ferdinand Lepckes „Bogenspannerin“ zu erwarten wäre (Abb. 18), ist lediglich ein leeres Piedestal vorzufinden (Inv.-Nr.: PH1229).[30] Der Bewuchs an der Hauswand über dem Sockel lässt die Vermutung zu, dass diese Photographie zu einem späteren Zeitpunkt (ca. 1912) als die Aufnahme für die bereits besprochene Ansichtskarte (Abb. 18) erstellt wurde.

Eine weitere, im Zuge der ersten Sonderausstellung zu „Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Weiblicher Akt und Körperideal“[31] 2012/13 aus Berliner Privatbesitz an die Kunstsammlungen der Veste Coburg geschenkte Ansichtskarte bildet die etwas verkleinert wirkende Mittelgruppe mit Seitengruppen des Monumentalbrunnes zur „Sintflut“ ab.[32] Dieser Umstand erscheint nicht besonders fraglich, da das Szenario mit Ehrenkranz womöglich als eine Erinnerungsaufnahme an Ferdinand Lepckes erfolgreiches Schaffen ein bis zwei Monate nach seinem Todestag, dem 12. März 1912, aufgenommen wurde. Auf dem Postament, auf dem per Abbildung (Abb. 18) gewohntermaßen die „Bogenspannerin“ zu erwarten wäre und später ein leerer Sockel vorzufinden war, wurde wohl Wilhelm Wandschneiders (1866–1942) „Sieger“ von 1906 verortet (Abb. 19).[33] Eine ebenfalls lebensgroße Fassung vom „Sieger“ fand 1907 auf Anregung des Kaisers im Berliner Tiergarten zur Aufstellung.[34] Weshalb auch eine Fassung von Wilhelm Wandschneiders lebensgroßer Bronzeplastik vom „Sieger“ vor dem Wohn- und Atelierhaus Lepcke auszumachen war, ist bislang ungeklärt. Für eine Künstlerfreundschaft der beiden Bildhauer liegen derzeit keine Indizien vor.[35]

Abb. 19 – Ansichtskarte, nicht gelaufen, Photograph nicht bekannt/kein Herstellerverweis, recto: Eingangsbereich zum Atelier der Villa Lepcke (1910–1920). Verso in Handschriftzug (blau) bezeichnet: „Haus von Bruno Tödter, Klein-Machnow“. Inv.-Nr.: F.3750, Kunstsammlungen der Veste Coburg. http://www.kunstsammlungen-coburg.de/ 

Die zwei bisher erörterten Ansichtskarten (Abb. 18 u. 19) bezeugen einen Wandel des Skulpturenschmuckes links und rechts des Ateliereingangs der Villa Lepcke und wurden sehr wahrscheinlich zu Werbe- und Repräsentationszwecken von Oscar Lepcke verbreitet. Dies wird gerade daran erkennbar, dass eine dritte, in Privatbesitz erhaltene Ansichtskarte (Abb. 20) eine scheinbar historische Aufstellung (Abb. 18) bestätigt und doch dem Feld der Retusche zuzuschreiben ist.

Abb. 20 – Ansichtskarte, nicht gelaufen, Photograph nicht bekannt/kein Herstellerverweis, recto: Eingangsbereich zum Atelier der Villa Lepcke (1910–1920?). Privatbesitz von Karl-Ulrich Paschale, Neustadt bei Coburg.[36]

Diese Photographie (Abb. 20) fällt, bis auf den in Retusche durch die „Bogenspannerin“ ersetzten „Sieger“, vollständig identisch zu der vorangegangen Abbildung (Abb. 19) aus. Die wiedererkennbaren Reste des recht merkwürdig ausfallenden Bewuchses an der Hausfassade hinter der „Bogenspannerin“ und andere wesentlich augenfälligere Übereinstimmungen lassen daran keinen Zweifel übrig. Mit einiger Sicherheit kann angenommen werden, dass Oscar Lepcke diese Ansichtskarte in direkter Absicht herstellen ließ, um so etwaige Verwechslungen des offenbar temporär an der Villa Lepcke aufgestellten „Siegers“ von Wilhelm Wandschneider mit den Werken seines Bruders auszuschließen. Oscar Lepcke oder andere Teile der Familie wünschten die Übertragung einer ehemals vorhandenen Skulpturenaufstellung für die Nachwelt und nutzten hierzu das im künstlerischen Sinne zunächst abgelehnte bis verpönte, im technischen Zusammenhang aber durchaus legitime, Mittel der Retusche für sich aus.

Von der Natur zur Abbildung, von der Abbildung zum Bildwerk und vom Bildwerk in Abbildung: Dem ausgewählten Titel folgend und die Betrachtungen abrundend, kann eine andere aus kunsthistorischer Sicht äußerst interessante Photographie beziehungsweise Postkarte (Abb. 21 u. 22) aus dem Bestand der Kunstsammlungen der Veste Coburg kurz besprochen werden.

Abb. 21 – Ansichtskarte, gelaufen, 17. Februar 1914, Photograph nicht bekannt/kein Herstellerverweis (vor 1914?), recto: bezeichnet unten links, BILDHAUER – PROFESSOR / FERDINAND – LEPCKE. Inv.-Nr.: F.3751, Kunstsammlungen der Veste Coburg. http://www.kunstsammlungen-coburg.de/
Abb. 22 – Ansichtskarte, gelaufen, 17. Februar 1914, Photograph nicht bekannt/kein Herstellerverweis, verso, in schwarzer Tinte: „Herrn / Oscar Lepcke / Zehlendorf/Wannseebahn / Villen Kolonie Kl. Machnow / Dietloffstr: 3. / Sehr geehrter Herr Lepcke! / Schicke Ihnen einen Abzug vom be - / treffenden Relief für Museum Coburg. / Mit besten Grüßen / Ihr / Andre(?) (?) /Südende/Berlin / Potsdamerstr: 20. / 17 Feb. 14. / Am 18/2 14 beantwortet.“ Das Ferdinand Lepcke darstellende Relief hat das Coburger Museum wohl nie erreicht, die städtischen Verzeichnisse weisen kein derartiges Bildwerk auf. Freundlicher Hinweis von Dr. Klaus Weschenfelder im April 2014. Inv.-Nr.: F.3751, Kunstsammlungen der Veste Coburg. http://www.kunstsammlungen-coburg.de/

Mehrere Versuche, den Absender der Ansichtskarte vollnamentlich zu ermitteln, schlugen fehl (Abb. 22). Laut Berliner Adressbuch war der Kunstverlag Brände & Bock G. m. b. H. im Jahr 1914 in der Potsdamer Straße 20 ansässig. Der Umstand, dass ein Mitarbeiter des Kunstverlages den sogenannten Abzug des Ferdinand Lepcke darstellenden Reliefs an Oscar Lepcke sendete, muss gegenwärtig eine Vermutung bleiben, drängt sich jedoch auf.[37] Außerdem erhebt sich hieraus letztlich die Frage nach der Urheberschaft des nur aus Abbildung bekannten Gipsreliefs. Stammt es von einem anderen Künstler oder handelt es sich um ein Selbstportrait Ferdinand Lepckes? Die angesprochenen Musealien können den kunstwissenschaftlichen Blick auf das Leben und Wirken des etwas in Vergessenheit geratenen Bildhauers erweitern und erfahren sowohl in öffentlichen Sammlungen als auch in privater Hand ihre Wertschätzung und Beforschung.


Zusammenfasende Schlussbetrachtung
Die in den 1890er Jahren einsetzende Etablierung der Liebhaber- und Berufsphotographie hatte unerwartete Folgen für die Herstellung, Werbung und den Absatz von Kunstwerken in Deutschland. Bislang tradierte Bildherstellungsverfahren wurden von der Photographie zurückgedrängt, und die Malerei, allem voran die Bildnismalerei, verlor in der Breite zunächst an Wirkungsvermögen. Ein weites Feld an Verwendungsbereichen erschloss sich für die Photographie, und auch die Bildhauerei blieb von diesen Entwicklungen nicht völlig unberührt. Die aus der Geschichte der Kunst bekannte, wiederholt elektrisiert geführte Diskussion der Maler und Bildhauer um die Vormachtstellung ihrer Gattung gegenüber dem anderen Fach beziehungsweise um die einzig wahre Kunst sollte durch verschiedene Fortschritte in der Photographie zusätzliche Konkurrenz erfahren.

Abgesehen von dieser Konkurrenz konnte bereits um 1880 ein gewisses Neben-, Mit- und Voneinander in der Bildhauerei, Malerei und Photographie beobachtet werden. Lawrence Alma-Tadema verwob beispielsweise in seinem 1877 entstandenen Gemälde „Das Bildhauermodell“[38] (auch „Das Bildhaueratelier“ genannt) eine durch das 1874 wiederaufgefundene Bildwerk der Aphrodite von Esquilin (Abb. 1) hervorgerufene Inspiration mit seiner Vorstellung von der Antike und der daran angeschlossenen künstlerischen Arbeitsweise nach dem lebenden Modell zu einer ästhetischen Allegorie bildhauerischer Idealbedingungen (Abb. 2). Für dieses Bildnis wählte Lawrence Alma-Tadema ein einfaches Modell aus dem Volk, kein Berufsmodell, das er wohl zugunsten einer bestimmten Naturtreue zurückhaltend-idealisiert malte.[39]

1901 beschrieb der Kunsthistoriker Friedrich Fuchs (1865–1907) in einem nicht ganz unkritischen Artikel mit dem Titel „Modellmarkt“[40] das Treiben in den Säulenhallen des Berliner Akademiegebäudes, Unter den Linden 38: An jedem Montag von acht bis neun Uhr versammelten sich hier an die 100 Menschen verschiedenster Couleur; nahezu stillschweigend stellten sich Frauen wie Männer, ob alt oder jung, aber auch Kinder parallel in zwei Reihen auf. Junge Studierende der Akademie fanden keine besondere Beachtung unter den Anwesenden. Doch sobald ein Professor den Schauplatz betrat, wurde Pose eingenommen und Profil gezeigt. Der jeweilige Professor traf seine Auswahl mit einem Fingerzeig, und die von Friedrich Fuchs als Staatsmodelle bezeichneten Personen folgten dem Meister und seinen Studenten in die gut beheizten Atelierräume der Akademie. Für die Sechstagewoche von täglich vier Stunden mit drei viertelstündigen Pausen bekam das Modell einen Thaler (sic!). Häufig mussten jene Modelle nur sitzend posieren; kompliziertere Posen oder Bewegungsmotive waren den Laienmodellen wohl auf Dauer nicht wirklich erfolgversprechend zuzumuten. So ließ Friedrich Fuchs außerdem wissen: „Menschen, die einen ‚guten Akt‘ haben, sind weisse Raben, und unter dem allgemein sogenannten schöneren Geschlecht sind sie – ja ja – noch seltener zu finden, als unter den Männern […].“[41] Hinzu kam das Risiko, dass ein ausgewähltes Laienmodell, von dem ein Bildhauer beispielsweise im Besonderen inspiriert war, aus allen möglichen Gründen dem Atelier nach wenigen Sitzungen fern bleiben konnte. Ernste und zuverlässige Modelle waren um 1900 trotz der beträchtlichen Anzahl von Bewerbern mitunter schwer zu finden.[42]

Im Bereich der Bildnisbüste konnte die Bildnisphotographie, so wie in der Vergangenheit beispielshalber die Bildniszeichnung und das Bildnisgemälde bei bereits verstorbenen bildhauerisch darzustellenden Personen herangezogen wurden, eine unterstützende Funktion bieten. Doch am wenigsten sollte die Anwendung der Photographie im Zusammenhang mit der Herstellung von komplizierten Bewegungsmotiven für stark auskomponierte Figurengruppen um 1900 unterschätzt werden. Das jeweilige Modell musste unter zu Hilfenahme der Photographie nicht weiter für mehrere Stunden in einer Pose verharren. Max Klinger und Gustav Eberlein nutzten die Modellphotographie nachweislich für ihre Arbeit. Das dargetane Beispiel zu Gustav Eberliens „Nymphen und Silen“ belegt dies in eindrücklicher Weise.

Nach längeren Recherchen können einige Photographien zum Leben und Schaffen Ferdinand Lepckes aneinander gereiht werden. Die hier vorgestellten Abbildungen fallen hauptsächlich dem Bereich der von Berufsphotographen erstellten Künstlerportraits zu. Bis auf einzelne Ausnahmen sind die jeweiligen Photographen wohl nicht ermittelbar.

Aus der in dieser Abhandlung angesprochenen Publikation „Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst“ (1898–1909) lässt sich eine ganz besondere Atmosphäre eines sich entwickelnden Neben-, Mit- und Voneinanders der Zeichnung, Malerei, Bildhauerei, Drucktechnik und Photographie für die illustrierten Printmedien der Zeit entnehmen. Zeichnungen, Gemälde, Bildwerke und Einblicke in Ateliers wurden durchgehend auf der Grundlage photographischer Abbildungen publiziert und die eigens beauftragten Photographen namentlich genannt. Die Photographien waren dazumal häufig von Jugendstil-Zeichnungen umfasst. Einige Berliner Bildhauer erfuhren, neben mehr oder minder anspruchsvollen Phototerminen in den jeweiligen Ateliers, erweiterte bildjournalistische Aufmerksamkeit bei besonderem Ereignisbezug. Wurde ein Bildwerk zu einem bestimmten Einweihungstermin hin fertig gestellt, dokumentierten etablierte Berufsphotographen etwa das Anlegen der letzten Feile durch den Bildner, die Errichtung des Kunstwerkes oder die anschließenden Enthüllungsfeierlichkeiten für die Zeitschrift „Berliner Leben“.[43] Das urbane Gesellschaftsleben bot unzählige Anlässe zur Anfertigung von Photographien mit verschiedenen Inhalten und in unterschiedlichen Formaten. Die Redaktion bemühte sich bei ihrer Bildauswahl um eine unterhaltsam-bildende, zuweilen etwas kitschig wirkende Mischung von Architektur-, Bildnis-, Ereignis-, Industrie-, Kostüm-, Mode-, Sport-, Theater-, Tier-, Szenenbild-, Portraitphotographie et cetera perge perge. Industrielle und Kaufleute, Musiker, Schauspieler, Tänzerinnen, Hochschul-, Museums- oder Operndirektoren, verdiente Bürger und Bürgerinnen wurden portraitiert, aber auch Einblicke in sozial-wohltätige Einrichtungen der Stadt Berlin gewährt. Die um 1890 von Alfred Lichtwark kritisch betrachtete Verwendung der Retusche trat besonders augenfällig anhand von Photographien zu belebten Berliner Straßenzügen um 1908 zutage. Selbst anerkannte Architekturphotographen wie Max Missmann bedienten sich mitunter einer stark dem Kitsch hingewandten Bildkorrektur.[44] Ob der regen Personen- und Verkehrsbewegungen im Moment der photographischen Aufnahme erforderten die technisch-mechanischen Grenzen der Lichtbildherstellung wohl ihre Nachbesserungen; und so wirken diese Darstellungen oft seltsam-künstlich – zwischen künstlerischer Zeichnung und reinem Lichtbild wankend.

Weniger künstlich und dafür die Autonomie des einzelnen Kunstwerkes achtend, zeigten sich die von der „Neuen Photographischen Gesellschaft“ produzierten Ansichts- oder Kunstpostkarten. Zeitgenössische Skulpturen und Plastiken wurden hauptsächlich vor einem neutralen, schwarzen oder weißen Hintergrund abgebildet und behielten somit ihre eigene künstlerische Wirkung. Neben ihrer Anwendung zur postalischen Korrespondenz wurde derartigen Ansichtskarten bereits ab dem Beginn ihrer seriellen Entstehung ein gewisser Sammler- beziehungsweise Erkenntniswert unter Skulpturenliebhabern und Kennern beigemessen. Dies mag nicht zuletzt damit in Verbindung zu bringen sein, dass die abgebildeten Plastiken auf den zeitaktuell bestellten, größeren Kunstausstellungen in Berlin, München oder Dresden zu betrachten waren. Der bereits mehrfach genannte Umstand, dass die massenhafte Verbreitung dieser Postkarten eine erhöhte Werbewirksamkeit für derlei Bildwerke und einen damit einhergehend ansteigenden Bekanntheitsgrad des jeweiligen Künstlers mit sich bringen konnte sowie für heutige Forschungen zur Berliner Bildhauerschule nach wie vor von Nutzen ist, muss an dieser Stelle nicht noch einmal akzentuiert werden.

Um 1910 war es dem geneigten Interessenten offenbar auch möglich, Ansichtskarten mit privaten Motiven bei Kunstverlagen in Auftrag zu geben. Diese am Beispiel des Wohn- und Atelierhauses Lepcke besprochenen Korrespondenzkarten weisen zum Teil keinen Herstellervermerk auf. Die photographischen Aufnahmen des repräsentativen Zweckgebäudes können zum einen der Architekturphotographie zugerechnet werden, und zum anderen dienten sie dem Kaufmann Oscar Lepcke dazu, das künstlerische Wirken und den Erfolg seines Bruders Ferdinand Lepcke nicht allzu rasch in Vergessenheit geraten zu lassen. Vor diesem Hintergrund sah man wohl auch kein Problem in der sinnvoll-zweckmäßigen Anwendung der Retusche. Das künstliche Mittel der Retusche ermöglichte hier die Herstellung einer scheinbar original wirkenden photographischen Darstellung der Skulpturenaufstellung an der Fassade der Villa Lepcke um 1910. Die Grenzen der Anwendungsfelder der Photographie erwiesen sich in diesem Zusammenhang als hinlänglich aufgelöst.

Die sich seit 1840 entwickelnde Konkurrenz zwischen der Bildnismalerei und der Bildnisphotographie beruhigte sich zum ausgehenden Jahrhundert spürbar. Bildnisgemälde wurden, wenn auch in wesentlich zurückhaltendem Maße, weiter angefertigt.[45] Dem Kunstinteressenten und -sammler waren die Vorzüge eines Gemäldes oder Bildhauerwerkes gegenüber einer das jeweilige Kunstwerk abbildenden Photographie durchaus bewusst. Trotz dessen trug die sich weiter zum heute anerkannten Genre entwickelnde Photographie erheblich zur Verbreitung von tradierter Kunst bei. Darüber hinaus erwies sich die Photographie nicht nur als Arbeitsmittel zur Herstellung von Bildhauerarbeiten, sondern auch als wertvolle dokumentarische Quelle. Denn wie weit wären die Forschungen zur Berliner Bildhauerschule heute vorangeschritten, lägen den einzelnen Wissenschaftlern keine Lichtbildzeugnisse dieser Zeit vor? ©Nicky Heise, Berlin 2014.

Rechtlicher Hinweis: Die Nutzung von Abbildungen der
Library of Congress, Washington D.C., Music-Division, Arnold-Schönberg-Collection (Abb. 18) und der Kunstsammlungen der Veste Coburg
(Abb. 13, 15, 19, 21 u. 22) bedarf einer schriftlichen Zustimmung der jeweiligen Institution.

Anmerkungen und Verweise zu Teil 3:
[1]
Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, S. 42–43, Anm.: 70 u. 71 S. 73.
[2]
Anm.: Häufig ließ sich Ferdinand Lepcke in zeittypischer Künstlerpose mit Zigarre in der Hand abbilden. Aber auch das besondere Ereignis der Einweihung des Monumentalbrunnens zur „Sintflut“ in Coburg wurde familienintern dokumentiert (freundlicher Hinweis von Dietmar Leischner, Mai 2014). Siehe auch: Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, Abb. 10 S. 16, Abb. 14 S. 18 u. Abb. 3 S. 32.
[3]
Vgl.: Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, Abb. 10 S. 16, Abb. 14 S. 18, Abb. 3 S. 32, Abb. 1–3 S. 241–243.
[4]
Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit & Kunst. 10. Jg., Berliner Verlagsgesellschaft Dr. Russak & Co., Berlin 1907 (Maiausgabe), S. 4 Sp. 2, Bildzitat: S. 8.
[5]
Anm.: Hinweise zum Verbleib der bislang lediglich aus der Literatur bekannten Bildnisbüste werden vom Autor erbeten und auf Wunsch selbstverständlich mit Diskretion behandelt.
[6]
Anm.: Zur genauen Vorgehens- beziehungsweise Arbeitsweise von Ferdinand Lepcke als Bildner lässt sich en détail bislang nur so viel sagen, als dass er sehr wahrscheinlich die bei Fritz Schaper erlernten Techniken anwendete und vorstellbarer Weise auch durch das Mittel der Photographie zu erweitern wusste. Fritz Schaper fertigte seinerzeit noch sogenannte Moulagen von einzelnen Gliedmaßen seiner jungen Frau und von Tieren an, um diese später bequem als Grundbausteine für seine plastischen Entwürfe nutzen zu können. Vgl.: Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, S. 28–29.
[7]
Anm.: Seit 1890 wurden polychrome Bildwerke vom Publikum allgemein hin wieder höher geschätzt. Hierbei war nicht nur der Bezug zur Polychromie der Antike, sondern auch der Anspruch auf Naturgenauigkeit, erzeugt mit künstlerischen Mitteln, von Bedeutung. In den letzten zwei Dekaden des 19. Jahrhunderts handelte es sich vornehmlich noch um polychrome Natursteinbüsten. Um 1905 fertigten Bildhauer wie Ferdinand Lepcke auch polychrome Portraitbüsten in Bronze, um so den gesteigerten Eindruck einer naturgetreuen Darstellung zu erzeugen (Bankiersfrau Wagner, 1905, Verbleib unbekannt, Hinweise werden erbeten). Auch für die Herstellung von Bildnis- beziehungsweise Portraitbüsten konnten geeignete Abbildungen eine Erleichterung der bildnerischen Arbeit bedeuten, da sich mit Photographien darzustellende individuelle Züge sehr genau und bequem festhalten ließen. Vgl.: Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, S. 28–29, 36–37 und 189–190, Abb. S. 190.
[8]
Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 1. Jg. bis 12. Jg., Freier Verlag GmbH/Berliner Verlagsgesellschaft, Berlin 1898–1909, Abb. ebenda.
[9]
Vgl.: Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, S. 1–243.
[10]
Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 1. Jg., Freier Verlag GmbH, Berlin 1898, o.S., letztes Blatt.
[11]
Anm.: Zu diesem Thema befindet sich bereits ein weiterführender Aufsatz in Bearbeitung, das Papier wird voraussichtlich Ende September 2015 fertiggestellt sein.
[12]
Vgl.: Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 1. Jg. bis 12. Jg., Freier Verlag GmbH/Berliner Verlagsgesellschaft, Berlin 1898–1909.
[13]
Ebenda.
[14]
Anm.: Beispiele für von Ed. Frankl gefertigte Künstleratelier- beziehungsweise Bildnisphotographien: Professor Paul Vorgang (1860–1927), Professor Gerhard Janensch (1860–1933), Professor Ferdinand Lepcke (1866–1909) 10. Jg. 1907; Professor Georg Koch (1857–1927), Professor Maximilian Schaefer (1851–1916), Friedrich Ernst Woltrom (1857–19??), Arnold Lüschwitz-Koreffski (1869–1920) 11. Jg. 1908. Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 10. Jg. u. 11. Jg., Berliner Verlagsgesellschaft, Berlin 1907–1908.
[15]
Anm.: Abb. 14 – Ferdinand Lepckes vor 1907 (v.l.n.r. am oberen Bildrand): Totenmaske (?), Gips; Schild (?), oval, Gips; Totenmaske (?), Gips und Kinderkopf, Gips.
[16]
Neue Photographische Gesellschaft Steglitz – Die Geschichte eines vergessenen Weltunternehmens (1897–1921). Hrsg. Wilma Gütemann-Holtz und Wolfgang Holtz, Berlin, September 2009, S. 26–39, 56–63, 84–95 u. 96–125.
[17]
Ansichtskarte, gelaufen, mit Poststempel vom 08.03.1913, „Lieber Max! […] dir die […] Karte für dein Album […]“, Verlag PFB (Paul Fink Berlin), Skulpturen erster Meister, 437 (Nr. identisch mit der Serie der NPG): „Hero“. Provenienz: Privatsammlung von Gerhard Eckerlein, Ahorn.
[18]
Neue Photographische Gesellschaft Steglitz – Die Geschichte eines vergessenen Weltunternehmens (1897–1921). Hrsg. Wilma Gütemann-Holtz und Wolfgang Holtz, Berlin 2009, S. 56–63.
[19]
Vier Ansichtskarten von Oscar Lepcke an die gemeinsame Nichte Lina Rinck (1889–1984), die mit ihrem Onkel Oscar besonders eng verbunden war. Lina Rinck war Zeit ihres Lebens als Diakonisse tätig. (Quelle: Schreiben von Friedhelm Laser an Gerhard Eckerlein vom 08.02.1999): Ansichtskarte, gelaufen, mit Poststempel vom 15.02.1913, Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft A.G. Steglitz-Berlin, Skulpturen erster Meister Nr. 138: „Traumverloren am Strande“, handschriftlich verbesserter Titel, im Druck fehlerhaft als „Lauschende“ bezeichnet; Ansichtskarte, gelaufen, mit Poststempel vom 20.10.1914, Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft A.G. Berlin-Steglitz, Skulpturen erster Meister Nr. 225: „Am Bache“ (auch Wasserschöpfende); Ansichtskarte, gelaufen, mit Poststempel vom 29.08.1918, recto beschädigt, 495: „Lauschende“; Ansichtskarte, gelaufen, mit Poststempel vom 10.02.1926: „Heimkehr“. Provenienz: Lina Rinck; Friedhelm Laser, Neuenstein 1999; fortan Gerhard Eckerlein, Ahorn, freundlicher Hinweis von ebendem. Quelle der Lebensdaten von Oscar Lepcke und Lina Rinck: fernmündlicher Hinweis von Dietmar Leischner, Ottobrunn, Mai 2014.
[20]
Ansichtskarte, nicht gelaufen, Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft A.G. Steglitz-Berlin, Große Berliner Kunstausstellung 1909, Nr. 492: „Eva“. Provenienz: Privatsammlung von Gerhard Eckerlein, Ahorn.
[21]
Neue Photographische Gesellschaft Steglitz – Die Geschichte eines vergessenen Weltunternehmens (1897–1921). Hrsg. Wilma Gütemann-Holtz und Wolfgang Holtz, Berlin 2009, S. 86.
[22]
Ansichtskarte, nicht gelaufen, (NPG-Logo, recto) Verlag NBC (Neue Bromsilber Convention GmbH), 494 (recto): „Löwenmädchen“ (auch „Die Macht“ oder „Löwenbraut“). Provenienz: Privatsammlung von Gerhard Eckerlein, Ahorn.
[23]

Sehr wahrscheinlich befanden sich in der Villa mehrere Gipse und Plastiken von Ferdinand Lepcke. Lager- und Stauraum war schon wegen der Konzeption des Baus als Atelier- und Wohnhaus vorhanden. In der Villa sollen sich neben dem Atelier zwei schnittgleiche Wohnungen befunden haben und auch Räume für Former. Vgl.: Nicola Bröcker, Celina Kress: Südwestlich siedeln. Kleinmachnow bei Berlin – von der Villenkolonie zur Bürgerhaussiedlung. Lukas-Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2004, S. 123–125, Abb. vom Aufriss der Fassade und vom Grundriss ebenda. Laut Berliner Adressbücher war Oscar Lepcke (1915 und 1916 kein Eintrag) unter dieser Anschrift gemeldet. Berliner Adressbuch 1911–1914, unter Benutzung amtlicher Quellen, Berlin, Scherl 1896–1943. Die Mutter der Gebrüder Lepcke soll bis zu ihrem Tode im Jahr 1916 in der Villa gelebt haben (freundlicher Hinweis von Dietmar Leischner).
[24]

Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, Abb. 12 S. 17–18.
[25]
Vgl.: http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=162&Itemid=197&lang=de&limitstart=1. Stand vom 15.05.2014.
[26]
Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, Abb. 12 S. 17–18.
[27]
Nicola Bröckers und Celina Kress Publikation: Südwestlich siedeln. Kleinmachnow bei Berlin – von der Villenkolonie zur Bürgerhaussiedlung. Lukas-Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2004, S. 123–125, Abb. vom Aufriss der Fassade und vom Grundriss ebenda.
[28]

Anm.: Zudem befindet sich eine nicht genau zu identifizierende Figur hinter dem Fenster oberhalb des Ateliereingangs.
[29]

Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, Abb. 12 S. 17–18.
[30]
Vgl.:http://www.schoenberg.at/resources/pages/view.php?ref=4244&search=Lepcke+sch%C3%B6nberg&order_by=relevance&sort=DESC&offset=0&archive=0&k=. Stand vom 15. Mai 2014.
[31]

Panoramaphotographie der Coburger Aufstellung 2012/13 von Herrn Backert, Coburg: http://backert.magix.net/public/Panorama/Lepcke/Lepcke_3.html. Stand vom 15. Mai 2014.
[32]

Anm.: Dass es sich bei dieser Fassung um die nach 1916 im Stadtpark von Eisleben aufgestellte, verkleinerte Version handelt, ist anhand der Größenverhältnisse der Darstellung stark zu vermuten. Außerdem lässt sich diesbezüglich annehmen, dass die Arbeit im Atelierbereich des Hauses eingelagert war. Bei der Aufstellung vor dem Ateliereingang wurden die Seitengruppen des Brunnens versehentlich vertauscht.
[33]
Vgl.: http://www.bildhauermuseum-plau.de/index2.php. Stand vom 15. Mai 2014.
[34]
Vgl.: http://www.bildhauerei-in-berlin.de/_html/_katalog/details-2462.html. Stand vom 04. Juni 2014.
[35]
Freundlicher Hinweis von Bernd Ruchhöft/Wandschneider-Museum, Plau am See, 01. März 2014.
[36]
Mit freundlicher Vermittlung durch Gerhard Eckerlein, Ahorn, 26. März 2014.
[37]
Hinweise zum eventuellen Verbleib des Reliefs werden vom Autor sehr gern entgegengenommen und auf Wunsch selbstverständlich vertraulich behandelt.
[38]
Vgl.: Carl Heinrich Stratz: Die Schönheit des weiblichen Körpers, den Müttern, Ärzten und Künstlern gewidmet. Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1908, 19. Auflage, Fig. 7 u. 9 S. 22 u. 24, S. 21–25.
[39]
Vgl.: Eva Mongi-Vollmer: Das Atelier des Malers – Die Diskurse eines Raumes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte 2004, Anm. 18 S. 55, 88, Abb. 14 S. 89, 102, 103, 140, 161 u. 179.
[40]
Vgl.: Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 4. Jg., Freier Verlag GmbH, Berlin 1901, (Märzausgabe?) S. 48 Sp. 1–3.
[41]
Vgl.: Ebenda
[42]
Vgl.: Ebenda.
[43]
Anm.: Ein Beispiel hierfür liegt mit der Errichtung der sechs Dichter-Hermen für den Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg vor. Den Photographien der Marmorbildwerke wurden Portraitabbildungen der jeweiligen Bildhauer beigeordnet und abgedruckt. Die Errichtung des Denkmals zur Erinnerung an die Befreiungskriege muss im März 1899 und die Enthüllung am 1. April 1899 stattgefunden haben. Vgl.: Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 2. Jg., Freier Verlag GmbH, Berlin 1899 (Märzausgabe), o.S., Blatt 44 u. 45, Abb. Blatt 44. Nicht wie in:
Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, S. 168 (WV Nr. 37c) versehentlich falsch angegeben am 1. April 1900.
[44]
Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst. 11. Jg., Berliner Verlagsgesellschaft, Berlin 1908 (Septemberausgabe), S. 8–9.
[45]
Vgl.: Karl Ziegler (1866–1935): Bildnis Ferdinand Lepcke, 1900, SMC 1877, Städtische Sammlungen Coburg und Heinrich Höllein (1874–1947): Bildnis Ferdinand Lepcke, 1900/1909, M 463, Kunstsammlungen der Veste Coburg. Auch in: Nicky Heise, Susanne Kähler und Klaus Weschenfelder: Ferdinand Lepcke (1866–1909) – Monographie und Werkverzeichnis. Coburg 2012, Abb. 1 S. 2 u. Abb. 5 S. 6. Anm: Am 9. Dezember 2011 wechselte eine im zuvor genannten Werkverzeichnis nicht aufgeführte Miniaturmalerei Ferdinand Lepckes unter dem Titel „Portrait eines bärtigen Mannes“ (Ölgemälde, 22 x 15 cm, rückseitig signiert) seinen Besitzer. Freundlicher Hinweis von Stefan Sebök/Auktionshaus Mag. Johann Sebök, Bamberg, März 2014.