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Montag, 21. Juni 2010

Die Bronzeplastiken im Kolonnadenhof der Alten Nationalgalerie zu Berlin – Ein moderner Hain der Schönheit.

Kolonnadenhof, Museumsinsel Berlin, "Bogenspannerin" (1905/1906)
von Ferdinand Lepcke vor den Kolonnaden an der Spreeseite.
© SPK / Foto: Maximilian Meisse

Am 06.Juni 2010 wurde der restaurierte Kolonnadenhof zwischen Alter Nationalgalerie, Neuem Museum und Spree wiedereröffnet. Nach dem Festakt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Aufnahme der Museumsinsel Berlin in die UNESCO-Welterbeliste im Alten Museum konnten die Besucher die neue Außeninszenierung mehrerer Bronzeplastiken um die Alte Nationalgalerie herum bestaunen. Den Rahmen bildet hierbei die zeitgemäße Gesamt- und Gartengestaltung von Levin Monsigny in Anlehnung an den ursprünglichen Aufbau von Eduard Neide. Geschaffen wurde hier ein moderner Hain der Schönheit – so sind bis jetzt folgende Werke der Berliner Bildhauerschule aufgestellt worden:

  • Louis Tuaillon: „Amazone zu Pferde“, um 1890/1895 (Guss 1895), auf Muschelkalksockel
  • Reinhold Begas: „Centaur und Nymphe“, 1881-1886
  • Adolf Brütt: „Fischer“ („Gerettet“), 1887 (Guss 1894)
  • Reinhold Felderhoff: „Diana“ 1898 (Guss 1910)
  • August Gaul: „Löwe“, 1904
  • Max Klein: „Herkules mit dem nemeischen Löwen“,1878 (Guss, wohl 1879)
  • Ferdinand Lepcke: „Bogenspannerin“, 1905/1906 (Guss, spätestens 1909)[1]

Mit der Außenaufstellung der bedeutenden Plastiken des 19. Jahrhunderts wird eine historische Ausstellungsästhetik in der Gegenwart eingelöst. Die von herrlichen Beeten umgebenen Bildwerke stehen in gutem Abstand voneinander, sodass jedes Einzelne autonom betrachtet werden kann und dabei immer noch Vergleiche angestellt werden können. Mehransichtig sind sie aus vielerlei Richtungen zu studieren. Die symmetrische Bepflanzung wirkt in ihrer Gliederung als psychologischer Abstandhalter zu den wertvollen Kunstwerken. Trotzdem ist eine nahe, umsichtige Betrachtung über die schmalen Plattenwege in den Beeten möglich. Mit ihrer einheitlich schwarzen Patina heben sich die Bronzegüsse von ihrer Umgebung so ab, dass sie auch aus der Ferne anziehend wirken.

Zu den wieder neu auf- und ausgestellten Werken gehört die „Bogenspannerin“ von Ferdinand Lepcke, sie stand schon vor 1945 in den Außenanlagen der Alten Nationalgalerie. Ihre Entstehungszeit ist bisher nicht eindeutig geklärt. In diesem Zusammenhang sei ein weiterführender Ausblick in die Museumswelt gestattet: Zum Leben und Wirken des Bildhauers wird momentan im Kunstgussmuseum Lauchhammer und in der Veste Coburg geforscht. In Kooperation projektieren die Museen eine Sonderaustellung und einen Gesamtkatalog zum Lebenswerk Lepckes im Jahr 2012. Im Kunstgussmuseum Lauchhammer wird derzeit von Bernhard Gutmann ein Gipsmodell der Bogenspannerin restauriert. Dass es sich hierbei um ein Gussmodell aus der Hand des Künstlers handelt, ist anzunehmen und wird erforscht. Unter anderem ist das Modell der Bogenspannerin im Kunstgussmuseum Lauchhammer zu besichtigen. Da in Zukunft eine Auswahl von restaurierten Gipsen durch kontrollierten Nachguss reproduzierbar sein soll und in der Kunstgießerei Lauchhammer erstanden werden kann, ist es in Bälde möglich, die Bogenspannerin - wie früher - auch im privaten Raum zu genießen. Für alle nicht so zahlungskräftigen Kunstliebhaber bleibt der zu Lebzeiten des Künstlers hergestellte Abguss im Kolonnadenhof der Alten Nationalgalerie jederzeit frei zugänglich.

Der neue Kolonnadenhof mit seinen Bronzeplastiken dürfte die Ausstellung von Werken der Berliner Bildhauerschule in der Alten Nationalgalerie komplettieren und nicht zuletzt mit seiner Lockwirkung höhere Besucherzahlen im Haus selbst zur Folge haben. In jedem Falle macht die Präsentation Lust darauf, die dreidimensionale Kunst des 19. Jahrhunderts näher zu betrachten. © NH


[1] Anm.: Ein weiteres bislang freies Postament wartete bei einem Besuch des Autors am 13.06.2010 noch auf seine vorgesehene Plastik.

Montag, 25. Januar 2010

Gedanken zur möglichen Umstellung der Bronzeplastik der „Phryne“ von Ferdinand Lepcke in Kleinmachnow


Am 20. April 2009 lud der Heimatverein Kleinmachnow in den Bürgersaal zu einer Debatte über einen neuen Standort der Bronzestatue „Phryne“ - eines der Meisterwerke des Berliner Bildhauers Ferdinand Lepcke - ein.[1] Als denkbarer Standort käme, so ein Vertreter des Heimatvereins, der Rathausmarktplatz in Kleinmachnow in Frage. Bisher ist die Statue auf dem Hof der Eigenherd-Europaschule verortet.[2] Das Bündnis 90/ Die Grünen stellte am 10.12.2009 einen Antrag auf Umsetzung der Plastik an die Gemeindevertreter und bittet darin „[…] den Meinungsbildungsprozess im Interesse und Sinne des Heimatvereins abzuschließen und einen Beschluss zu fassen.“[3] Die Debatte dürfte bislang kaum abgeschlossen sein: Eine umfangreiche öffentliche Auseinandersetzung mit Titel, Inhalt und Aussage des Kunstwerkes sollte einer Umsetzung zwingend vorausgehen.
Ferdinand Lepcke muss seiner Figur sehr absichtlich den Titel „Phryne“ gegeben haben, denn Museumsinventare und Postkarten der Neuen Photographischen Gesellschaft[4] verraten häufig diesen Namen. Das Werk weist, wie nur wenige Arbeiten des Künstlers, eindeutig über den Titel auf eine eindeutig antikisierte Ausführung hin. Ein weiterer, eher profaner Titel „Mädchen mit Gewand“[5] könnte, zusammen mit der früheren Aufstellung der Plastik an See und Teich, im Volksmund zu der Betitelung „Die Badende“ geführt haben. Die Plastik liebenswürdig als „Badende“ zu bezeichnen, wenngleich der Rezeption nach ein tiefgründiger griechischer Mythos wiedererzählt wird, ist zwar verständlich, aber schlichtweg unrichtig. Eine Badende hat Lepcke vor seiner Phryne bereits um 1891 geschaffen. Ein Auszug aus Meyers Konversationslexikon von 1888 soll zur antiken Phryne Erklärung bieten:
„Phryne, berühmte griech. Hetäre, aus Thespiä gebürtig, hieß eigentlich Mnesatete und erhielt den Nahmen P. (>>Kröte<<) wegen ihrer Blässe; sie war erst eine arme Kapernhändlerin, gelangte dann aber in Athen, wo sie ihre Reize feilbot, zu außerordentlichen Reichtum, so daß sie sich erbieten konnte, die Mauern Thebens auf eigne Kosten wieder aufzubauen, wenn die Thebaner die Inschrift darauf setzten: >>Alexander hat sie zerstört, die Hetäre P. wieder aufgebaut<<. Sie galt in ihrer Blütezeit als die Repräsentantin der Göttin der Schönheit und diente Apelles als Modell für seine Anadyomene und Praxiteles für seine knidische Aphrodite. Ihrem Reiz konnte angeblich niemand wiederstehen; als einst der Redner Hypereides die der Asebie Angeklagte verteidigte und der Erfolg zweifelhaft war, enthüllte er ihren Busen, und P. ward freigesprochen. In einem Tempel zu Thespiä stand neben einer Aphrodite des Praxiteles auch eine Statue der P. von demselben Künstler. Vgl. Jacobs, Vermischte Schriften, Bd. 4 (Leipzig 1830).“ [6]
Das Kunstwerk repräsentiert den sehr gelungenen Versuch des Bildhauers, ein antikes Thema in seine Zeit zu transportieren und damit die Geschichte der antiken Phryne erneut zu verkörpern. Womöglich auch abzielend auf die Emanzipationsgeschichte der Frau um 1900, bleibt inhaltlich vielmehr als eine nur „nackt“ badende Bürgerin zu vermuten. Viele Künstlerkollegen Lepckes wie z.B. Fritz Klimsch benannten ihre Arbeiten häufiger nach verschiedenen Gestalten der Antike. Das Gesamtwerk Lepckes ist jedoch von einer Vereinfachung bei den Bezeichnungen, hinweg von sinngebenden Titeln, durchzogen. Selten gab er seinen Plastiken einen ahnungswürdigen Titel mit mythischen Bezügen. Gerade deshalb sollte bei einer Neuaufstellung der Plastik darauf geachtet werden, dass die vom Künstler beabsichtigte Rezeption ihre Beachtung findet. Eine Aufstellung wie in der Vergangenheit an einem See oder Teich wird der Aussage des Bildwerkes nicht gerecht, genauso wenig wie eine Inszenierung der „Hetäre“ auf dem Rathausmarktplatz Kleinmachnow. Zudem besteht bei jeder Umsetzung die konservatorische Gefahr einer Beschädigung. „Ob sie wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht“ - die Phryne musste sich in der Antike richterlicher Begutachtung beugen, heute sollte sie einem weiteren Urteil genüge leisten können. Vielleicht ergibt sich aus der Debatte um die Neuaufstellung ein geeigneterer Aufstellungsort als der Schulhof - da sich ja bereits ein Nachguss der Phryne aus Lauchhammer (21.07.2000)[7] auf dem Hohenzollernplatz nicht weit von Kleinmachnow befindet. Der beste Wirkungsort bleibt, nach Auffassung des Autors die Grünflächenumgebung der Alten Nationalgalerie, hier stand vor 1945 auch Lepckes „Bogenspannerin“. ©NH

[1] Vgl.: Potsdamer Neuste Nachrichten. KURZ NOTIERT: Der Bildhauer und Künstler (18.04.09). Aus: http: //www.pnn.de/pm/171929/. Stand vom 17.10.2009.
[2] Vgl.: Potsdamer Neuste Nachrichten. Auf den Spuren prominenter Kleinmachnower. Unterwegs mit Harald Kretzschmar und Ingo Saupe vom Heimatverein (13.01.09). Aus: http: //www.pnn.de/pm/152132/. Stand vom 27.08.2009.
[3] Vgl.: http://www.kleinmachnow.de/wDesignVP/gemeinde/Vertretung/drucksachen/beschlussvorlagen_gv_2009_12_10.shtml. Stand vom 21.01.2010.
[4] Vgl.: Postkarte NPG, recto: „PROF. FERD. LEPCKE. „PHRYNE.“ NPG-Logo, darüber 459 “, verso: „Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft AG, Berlin-Steglitz“, „Skulpturen erster Meister. Nr. 459“;
Postkarte NPG, recto: NPG-Logo, „„Phryne“. Prof. Ferd. Lepcke, Berlin 459“, verso: keine weitere Beschriftung, Privatbesitz.
[5] Vgl.: Postkarte NPG, recto: „PROF. FERD. LEPCKE, BERLIN: „MADCHEN MIT GEWAND“.“, verso: „Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft A. G. Steglitz- Berlin.“, „Große Berliner Kunstausstellung 1908. No. 219.“, Privatbesitz.
[6] Aus: Meyers Konversationslexikon. Bd. 1, 1888, S. 30-31.
[7] Aus: http: //www.suedwestweb-berlin.de/struktur/v0241/s0241.html. Stand vom 13.10.2009.